Politisch motivierter Angriff auf Grünen Bundestagskandidaten Claas Goldenstein

Auch rechtsextreme Kreise sind auf den Grünen Bundestagskandidaten Claas Goldenstein und seine Online-Aktivitäten aufmerksam geworden. Am vergangenen Donnerstag kam es während seines zweiten Livestreams auf twitch.tv zu einem verabredeten Versuch, das Format zu stören.

Der 27-jährige Stader Claas Goldenstein ist seit seiner Jugend ehrenamtlich für die Evangelisch-Lutherische Kirche tätig, studierte Umweltwissenschaften/Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) an der Leuphana-Universität in Lüneburg und Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt (M.A.) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Am 21. Januar wählten die im Wahlkreis 30 Stade I – Rotenburg II wohnenden Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen Claas Goldenstein zu ihrem Bundestagskandidaten, damit der das Direktmandat gewinnt.

Eine kleine Personengruppe erstellte in einer koordinierten Aktion eine Reihe neuer Accounts auf Twitch, um die Community mit Hass und rechtsextremem Gedankengut zu stören. Das Moderationsteam war vorbereitet und konnte während des Livestreams direkt eingreifen. Es wurden mehr als 10 mutmaßlich rechtsextreme Accounts gebannt (sie können nicht mehr auf dem Twitch-Kanal schreiben).

Parallel zum Livestream kam es zu einem Doxing-Angriff auf das Zuhause des Kandidaten. Als Doxing (auch Stalking im Internet genannt) bezeichnet man das Sammeln und Veröffentlichen persönlicher Daten, um die Zielperson zu diffamieren und mundtot zu machen. Nach dem Motto: „Pass auf. Wir wissen, wo Du wohnst!“ In diesem Fall trafen direkt nach dem Livestream 10 Lieferwagen mit Essensbestellungen vor seiner Haustür ein. Insgesamt entstand ein Schaden von 350-400 €.

Dazu Claas Goldenstein: „Diesen Schaden tragen die 10 kleinen Unternehmen aus der Region. Der Angriff galt ihnen genauso wie mir. Ich bin beeindruckt davon, wie verständnisvoll und unterstützend die Lieferanten trotz ihrer Verluste reagiert haben. Auch die starken, positiven Rückmeldungen aus der Community waren ein Lichtblick.“ Einschüchtern lassen will sich der Kandidat nicht: „Wenn Du an der Bushaltestelle beschimpft und bespuckt wirst, ist das Ziel dahinter, dass Du morgen nicht mehr an dieser Bushaltestelle stehst. Es wäre falsch, dem nachzugeben.“ Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Aktion haben den Stader überrascht: „Ich finde es traurig, dass mein erster offizieller Termin als Bundestagskandidat außerhalb der Grünen Parteistrukturen bei der Polizei stattfindet, um Anzeige zu erstatten.“

Der Livestream am kommenden Donnerstag (jede Woche ab 19 Uhr) befasst sich mit dem Grünen Grundsatzprogramm. Informationen über Claas Goldenstein und seine Aktivitäten finden sich auf https://claas-goldenstein.de/

Kurzlink zur Polizeiberatung: https://t1p.de/ii4z oder die Langversion https://www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/aktuelles/detailansicht/stalking-doxing/ zur selben Seite

Kommentar dazu:

Der politisch motivierte Angriff auf den GRÜNEN Bundestagskandidaten Claas Goldenstein im Live-Stream und der Doxing-Angriff mit den Essensbestellungen danach, ist besorgniserregend und zeigt, wie sich die Situation auch in den sozialen Medien schon seit einigen Jahren immer mehr zuspitzt und Menschen wegen ihrer Einstellung  und ihres politischen Engagements von Rechten mit Hassbotschaften einfach fertiggemacht und sogar direkt angegriffen werden. Vorsicht, kann ich da nur sagen, das sind schlimme Entwicklungen, die schon viel zu weit vorangeschritten sind! Inzwischen kann man von „Wehret den Anfängen“ nämlich nicht mehr sprechen, darüber sind wir leider schön länger hinaus! Die Politik (fast aller Couleurs) hat bezüglich des Umgangs mit  den Rechten und der Bekämpfung des Rechtsextremismus viel zu wenig unternommen, noch immer sind Politiker:innen dabei, mehr zu verharmlosen, eben nicht konsequent Strategien dagegen zu entwickeln.

Jork, 04.03.2021

Harm Paul Schorpp

Print Friendly, PDF & Email

Verwandte Artikel